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1.
Über Afghanistan: Topografie, Klima, Ethnien, Sprache, Religion
Afghanistan ist ein zentralasiatisches Land und grenzt an den Iran,
Pakistan, China, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Mit einer Fläche von 652.090
km² ist es ca. doppelt so groß wie die Bundesrepublik. Das Land ist größtenteils
Gebirgsland, die Gebirge des Hindukusch (bis 7.500 m Höhe) und des
Sefid Kuh erstrecken sich über weite Teile des Landesgebietes. Drei Viertel
Afghanistans sind unzugänglich und weniger als 10 % der Landesfläche liegen unterhalb
von 600 m.
Klimatisch liegt Afghanistan nahezu vollständig im zentralasiatischen Trockengürtel.
Charakteristisch dafür sind die Beschränkung der Niederschläge auf Winter und Frühling
und die ausgeprägte Trockenheit der Sommer. Die Bevölkerung leidet daher einerseits
stark unter den häufig auftretenden schweren Dürren und andererseits an den bei
Regenfällen häufig einhergehenden Überflutungen und Erdrutschen. Das Temperaturspektrum
reicht von extremer Kälte in den höhergelegenen Bergen des Hindukusch bis hin zu
extremer Hitze in den Wüstengebieten.
Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat, der sich aus verschiedenen Minoritäten
zusammensetzt. Verschiedene Volksgruppen sind: Paschtunen, Tadschiken persischer
Abstammung, Hazara und Usbeken. Daneben existieren mehrere kleinere Gruppen von u.a.
Aimaken, Turkmenen, Nuristani und Belutschen. Circa 78 % der Bevölkerung leben auf dem
Land und nur etwa 22 % in den Städten.
In Afghanistan werden schätzungsweise mehr als 23 verschiedene Sprachen und über 100
verschiedene Dialekte gesprochen. Landes- und Amtssprachen sind Dari und Paschtu. Über 99
% der Bevölkerung sind Muslime. Andere Religionen machen weniger als 1% aus.
Größere Städte sind Kabul, Kandahar, Mazar-e Sharif, Herat, Dschalalabad und Kundus.
2. Kurze Zusammenfassung der
afghanischen Geschichte
Die Geschichte Afghanistans ist seit jeher von Kriegen und
gewaltsamen Konflikten gezeichnet. Das imperialistische Grand Game zwischen
Russland und Großbritannien im 19. Jahrhundert führte beispielsweise dazu, dass
Afghanistan immer wieder Austragungsort bewaffneter Auseinandersetzungen wurde und erst
1919 staatliche Souveränität erlangte. Von 1932 bis 1973 regierte schließlich König
Mohammed Sahir Schah das Land. Diese Zeit gilt als eine relativ ruhige Periode in der
afghhanischen Geschichte. 1973 wurde der afghanischen König von den Truppen Mohammed
Dauds vertrieben, welcher die Republik Afghanistan ausrief. 1978 fiel dieser selbst einem
Staatsstreich zum Opfer und wurde von linksextremen Putschisten ermordet. Da sich die
Putschisten dem Widerstand der afghanischen Bevölkerung ausgesetzt sahen, griff die
Sowjetunion in den Konflikt ein und schickte von 1979 an mehrere zehntausend Soldaten nach
Afghanistan um den muslimischen Widerstand zu brechen. Die mit Geld und Ausrüstung von
den USA und Pakistan unterstützten Widerstandskämpfer konnten sich jedoch gegen die Rote
Armee behaupten und erzwangen so 1989 den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte. 1992
wurde schließlich der letzte von den Russen eingesetzte Präsident, Mohammad
Nadschibullah, entmachtet.
In dem Vielvölkerstaat Afghanistan brachen daraufhin, zuvor latent vorhandene Konflikte
zwischen den verschiedenen Ethnien aus und es entwickelte sich ein lange währender
Bürgerkrieg, der dazu führte, dass das politische System nach einigen
Regierungsversuchen verschiedenster Stammesführer vollständig zusammenbrach.
Dieses Machtvakuum machten sich die Taliban zunutze, welche in Afghanistan einen
muslimischen Gottesstaat mit einer radikalen islamischen Interpretation durchsetzten
wollten. 1996 konnten diese schließlich Kabul, die Hauptstadt Afghanistans einnehmen, ab
1999 befand sich dann ca. 90% des afghanischen Staatsgebietes unter ihrer Kontrolle. Die
nicht ins Ausland geflohene afghanische Bevölkerung war nach den leidvollen
Bürgerkriegsjahren zuvor nun den Repressionen und Greueltaten der Taliban ausgeliefert.
Nach den Terroranschlägen in den USA vom 11.09.2001 stürzten die amerikanischen- und mit
ihnen verbündete Streitkräfte das Talibanregime und stationierten Truppen in
Afghanistan.
Auf der Petersberger Konferenz Ende 2001 in Bonn einigten sich die Vertreter
der ethnischen Gruppen Afghanistans auf eine Vereinbarung über provisorische
Regelungen in Afghanistan bis zum Wiederaufbau dauerhafter Regierungsinstitutionen.
Im Juni des Jahres 2004 wurde durch die Loya Jirga, eine Versammlung des einflussreichsten
politischen und religiösen Führer des Landes, der erste Präsidenten des
islamischen Staates Afghanistans gewählt.
3. Afghanistan Heute
3.1 Humanitäre Situation
Afghanistans
Afghanistan ist eines der ärmsten Länder der Welt, dementsprechend
ist die humanitäre Situation dort sehr angespannt. In vielen ländlichen Gebieten
Afghanistans gibt es beispielsweise keinerlei Strukturen der öffentlichen
Gesundheitsversorgung. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen beträgt nur 46
Jahre (zum Vergleich: In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 76
Jahren). Besonders hoch ist in Afghanistan die Kindersterblichkeit: Von 1000 Kindern
erreichen 257 das fünfte Lebensjahr nicht. Hier muss durch die Arbeit von
Hilfsorganisationen bedarfsorientiert immer noch wichtige Überlebenshilfe geleistet
werden. Trotz besserer Ernten und höherer Niederschläge sind auch weiterhin große
Personengruppen jahreszeitlich und regional von Nahrungsmittelhilfe abhängig (selbst eine
Rekordweizenernte von über 4,5 Millionen MT im Jahr 2005 reichte nicht für die
Versorgung der Bevölkerung aus; rund 400.000 MT mussten kommerziell importiert werden
oder durch Nahrungsmittelhilfe gedeckt werden). Flüchtlinge und Binnenvertriebene sowie
werdende Mütter und Kinder gehören dabei zu den besonders betroffenen Zielgruppen.
3.1.1 Bildung
Die sowjetische Besatzungszeit, der Bürgerkrieg und die
Kulturfeindlichkeit der Taliban haben ganze Generationen ohne jeden Zugang zu Bildung
aufwachsen lassen. Die Analphabetenrate ist daher mit ca. 70% im internationalen Vergleich
sehr hoch. Besonders betroffen von diesem Ausschluss aus dem Bildungssystem waren Frauen,
so dass noch heute ca. 90% aller Afghaninnen Analphabetinnen sind. Der Analphabetismus ist
eines der größten Hindernisse beim Wiederaufbau des Landes. Mit dem Ende des
Taliban-Regimes entstanden mit Internationaler Hilfe im ganzen Land neue Schulen, so dass
inzwischen ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen wieder eine Schule besuchen kann.
Leider sind viele Schulen nur mangelhaft ausgestattet, weswegen in dieser Hinsicht noch
dringend Hilfebedarf besteht.
3.1.2 Situation der Frauen
Unter dem Regime der Taliban hatten afghanische Frauen so gut wie
keine Rechte. Eine Berufsausübung, Schul- oder Ausbildung war ihnen strengstens
untersagt. Frauen durften ihre Wohnhäuser nur in Begleitung eines männlichen
Familienangehörigen und verhüllt in eine Burkha verlassen. Zuwiderhandlungen wurden
drakonisch bestraft.
Nach dem Sturz der Taliban Ende 2001 verbesserte sich die Situation für Frauen, jedoch
bestehen weiterhin gesellschaftliche Einschränkungen. Ein Recht auf Berufsausübung ist
für Frauen auch heute noch oft nur theoretisch möglich. Mädchen sind zwar zum Schul-
und Universitätsbesuch zugelassen, jedoch gibt es hier noch viele infrastrukturelle
Defizite, die dies in vielen Regionen unmöglich machen. In einigen Regionen des Landes,
insbesondere in den südlichen Gebieten Afghanistans wird auch von wiedererstarkenden
Talibananhängern mittels Repressionsdrohungen und (anwendungen) psychischer Druck
auf Frauen ausgeübt, der nicht selten afghanische Frauen daran hindert, ihre Rechte
wahrzunehmen.
3.2 Wirtschaftliche Situation
Nach über zwanzigjährigem Krieg und Bürgerkrieg war das Land fast
vollständig zerstört. Viele Industrieanlagen müssen komplett neu errichtet werden, das
gilt unter anderem auch für Stromerzeugung und Wasserbewirtschaftung des Landes. Ohne
Hilfe von außen kann Afghanistan diese Aufgaben nicht bewältigen. Das Gros des Geldes
für den Wiederaufbau Afghanistans kommt aus dem Ausland. So wurden Afghanistan von 2002
2006 insgesamt über 10 Milliarden $US als Entwicklungshilfe zur Verfügung
gestellt.
3.2.1 Infrastruktur
Die Straßen sind meistens in einem schlechten Zustand, jedoch
konnten in den vergangenen Jahren zumindest eine Verbesserung der wichtigsten Verkehrswege
und Überlandstraßen erreicht werden. Die Stromversorgung bleibt weit hinter der
Nachfrage zurück und ist unzuverlässig. Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ist
in weiten Landesteilen nicht gewährleistet.
3.2.2 Wirtschaftsbereiche
Trotz rapider Urbanisierung leben noch rund 75% der Bevölkerung auf
dem Land und direkt oder indirekt von der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft beschäftigt
mehr als 65% der arbeitenden Bevölkerung. Haupternährungsgetreide ist Weizen, der
zumeist auf bewässerten Feldern im Winter gedeiht. Baumwolle war vor dem Bürgerkrieg das
wichtigste Rohexportprodukt und Afghanistan hofft, an diese Tradition wieder anknüpfen zu
können. Weiterhin werden Früchte, insbesondere Weintrauben und Melonen, angebaut und
Trockenfrüchte produziert. Auch der Handel mit Häuten, Zellen und die Verarbeitung von
Karakul-Lamm-Wolle bildeten früher ein Rückgrat des Exports. Die landwirtschaftliche
Produktion ist seit dem Bürgerkrieg um mehr als die Hälfte zurückgegangen, ist jedoch
derzeit ein starker Wachstumsbereich, wenn auch weiterhin sehr abhängig von den
klimatischen Bedingungen. Der Wiederaufbauprozess im Landwirtschaftssektor wird durch die
Zerstörung der Bewässerungskanäle und die Existenz zahlreicher Minen erschwert.
Momentan werden praktisch alle Konsum- und Kapitalgüter aus dem Ausland importiert,
während Afghanistan selbst noch äußerst wenige eigene Produkte exportiert.
Stärkste Wirtschaftssektoren des Landes sind momentan das Baugewerbe in den Städten,
sowie der Dienstleistungssektor, insbesondere die Bereiche Handel, Telekommunikation und
Transport.
Quellen:
http://www.Wikipedia.de
http://www.Kinderhilfe-afghanistan.de
http://www.Auswärtiges-amt.de
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